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18.10.2010

Eröffnung des Staatstheaters in der
Türlenstraße 2 in Stuttgart

Die Luft duftet nach Getriebeöl

Stuttgart - Der Zebrastreifen, der die Besucher demnächst über den Hof ganz nach hinten zu ihren Plätzen führen soll, leuchtet genauso grün wie die vier Meter hohe Neon-Faust, die erst vor wenigen Tagen mit Hilfe eines Krans auf das Flachdach der ehemaligen Mercedes-Niederlassung in der Türlenstraße gehievt wurde. Sie soll – weithin sichtbar – allen zeigen, wer nun in dem einstigen Autohaus residiert: das Schauspiel Stuttgart. Am Samstag ist die Interimsspielstätte, in der sich das Theater während der Sanierung des Schauspielhauses mitsamt Verwaltung und Werkstätten für ein Jahr eingerichtet hat, vom Intendanten Hasko Weber und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster offiziell eröffnet worden. Am Wochenende darauf folgen die ersten Premieren der neuen Spielzeit.Stuttgart - Der Zebrastreifen, der die Besucher demnächst über den Hof ganz nach hinten zu ihren Plätzen führen soll, leuchtet genauso grün wie die vier Meter hohe Neon-Faust, die erst vor wenigen Tagen mit Hilfe eines Krans auf das Flachdach der ehemaligen Mercedes-Niederlassung in der Türlenstraße gehievt wurde. Sie soll – weithin sichtbar – allen zeigen, wer nun in dem einstigen Autohaus residiert: das Schauspiel Stuttgart. Am Samstag ist die Interimsspielstätte, in der sich das Theater während der Sanierung des Schauspielhauses mitsamt Verwaltung und Werkstätten für ein Jahr eingerichtet hat, vom Intendanten Hasko Weber und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster offiziell eröffnet worden. Am Wochenende darauf folgen die ersten Premieren der neuen Spielzeit.

Jeder Einzelne, vom Bühnentechniker bis zu den Schauspielern, sei begeistert von diesem besonderen Spielort und freue sich auf dieses Jahr, sagt Ingrid Trobitz, die Sprecherin des Schauspielhauses. Besonders ist dabei nicht nur die Eigenart des Ortes, an dem es in manchen Ecken noch verdächtig nach Getriebeöl duftet. Auch der Betrieb selbst ist ein Novum in der Schauspielgeschichte: Die Theaterhandwerker haben gleich drei Bühnen gezimmert, auf denen künftig teilweise parallel gespielt werden wird. Die größte der neuen Spielstätten ist die Arena, die ihren Platz in der einstigen Montagehalle des Autohauses hat und über 450 Plätze verfügt. Bühne Nummer zwei ist die Werkhalle mit etwa 230 Plätzen. Zudem gibt es noch eine klassische Blackbox-Bühne, die im Gegensatz zu den anderen beiden Spielstätten variabel bestuhlt werden kann und etwa hundert Zuschauer fasst.

Im weitläufigen Foyer, wo früher die Vorzeigekarossen standen, wurde zwischen Bar und Garderobe außerdem noch ein Club für besondere Anlässe eingerichtet, der ebenfalls bespielt werden kann. "Wir haben versucht, so viel Autohausarchitektur wie möglich zu belassen, um den speziellen Charakter der Spielstätte zu erhalten", sagt Ingrid Trobitz. Zum "Architektenteam", das die Ideen und Konzeption für den Umbau entwickelt und festgelegt hat, wo Mauern eingezogen, Lampen gehängt und Tribünen aufgebaut werden, gehörte neben dem Ausstattungsleiter Hannes Hartmann und dem Technischen Direktor Reiner Darr auch der Intendant Hasko Weber, der als gelernter Anlagenmonteur durchaus Gefallen an dieser schöpferischen Arbeit gefunden hatte. "Die drei haben wochenlang getüftelt und dabei viel Spaß gehabt", sagt Ingrid Trobitz. Ein wenig getrübt wurde der Spaß mitunter durch Begegnungen mit diversen städtischen Auflagen, die so manche Zusatzschichten verursacht haben. So musste zuletzt beispielsweise kurzfristig der Treppendurchgang in das darunter liegende Zentrum für E-Mobilität aus Brandschutzgründen überdeckelt werden.

Dabei war die Zeit für den aufwendigen Umbau mit einem Gesamtetat von 1,9 Millionen Euro ohnehin schon knapp bemessen. Der Vorschlag, die Niederlassung als Interimsspielstätte zu nutzen, sei im April aufgekommen, sagt Ingrid Trobitz. "Da war der Spielplan bereits komplett fertig." Ende Mai konnte mit den Arbeiten begonnen werden, knapp vier Monate sind seither vergangen. Diese Zeit sei für alle Beteiligten eine extreme Belastung gewesen, teilweise neben dem normalen Spielbetrieb, sagt Ingrid Trobitz: "Bei vielen Mitarbeitern sind die Sommerferien ausgefallen." Dafür kann sich der Vorhang nun pünktlich heben: Die erste Premiere im Interimshaus wird nächsten Samstag in der Arena mit Heiner Müllers "Der Bau" gefeiert, gefolgt von der Uraufführung "Drei Western" von René Pollesch in der Werkhalle. Anders als sonst im Schauspielhaus werden die Stücke in dieser Spielzeit blockweise über einen bestimmten Zeitraum gespielt und dann abgelöst. "Ein wechselnder Repertoirebetrieb mit 18 Stücken im Monat ist unter den Bedingungen nicht zu leisten, wir können hier nicht jeden Tag umbauen", sagt Ingrid Trobitz. Die technischen Möglichkeiten seien stark eingeschränkt.

So müssen die Inszenierungen in diesem Interimsjahr ohne Schnürboden auskommen, und auch ohne effektvolle Raffinessen wie Drehbühnen, Fallgruben und die übliche Untermaschinerie, auf die Regisseur gerne für überraschende Auf- und Abtritte zurückgreifen. Überraschungsmomente dieser Art könne es in dieser Spielzeit daher nicht geben, sagt Ingrid Trobitz. Spannend wird es aber trotzdem werden.

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